Zu Beginn arbeiteten 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rechnungshof. Ihre Aufgabe war klar: Sie sollten darauf achten, dass das Geld des Landes richtig und verantwortungsvoll eingesetzt wird. Deshalb wird der Rechnungshof auch als das „finanzielle Gewissen des Landes“ bezeichnet. Diesen Begriff hat der ehemalige Ministerpräsident Wolfgang Böhmer geprägt.
Die frühen neunziger Jahre waren eine besondere Zeit. Nach der Wiedervereinigung herrschte Aufbruchsstimmung, und viele Menschen wollten die Demokratie aktiv gestalten. Auch der junge Rechnungshof konnte neue Wege gehen. Neben der Kontrolle von Ausgaben und Einnahmen entwickelte sich schnell eine wichtige Beratungstätigkeit. „So beraten wir heute u. a. den Landtag und den Finanzausschuss bei relevanten Finanzthemen. Wir nehmen auch zu Gesetzentwürfen Stellung, ebenso wie zu Einzelmaßnahmen, die der Zustimmung des Parlamentes bedürfen“, sagt der amtierende Rechnungshofpräsident Kay Barthel.
Auch das Gebäude des Rechnungshofes hat eine bewegte Geschichte. Der Hauptsitz steht heute in der Kavalierstraße in Dessau-Roßlau. Das Haus wurde im Jahr 1897 gebaut. Früher stand dort das Palais der Reichsgräfin Johanna Sophie Herre. Später nutzte eine Bank das Gebäude. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde es zerstört, danach wieder aufgebaut und viele Jahre als Baukombinat genutzt.
Heute steht das Gebäude mit seiner alten Fassade unter Denkmalschutz. So verbindet der Landesrechnungshof in Dessau-Roßlau Geschichte und Gegenwart – und sorgt weiterhin dafür, dass das Geld des Landes verantwortungsvoll eingesetzt wird.
