Dr. Cornelia Ruppert, Präsidentin des Rechnungshofes Baden-Württemberg, sagte in ihrem Vortrag: „Zwar wachsen die Datenmengen extrem, doch bedeuten mehr Daten nicht automatisch mehr Erkenntnisse – genau hier sollte die KI als Chance verstanden werden.“ Dabei betonte Dr. Ruppert, dass eine KI die Expertise der Prüferinnen und Prüfer keineswegs ersetze, sondern vielmehr Freiräume bei statistischen Erfassungen und der Informationsverarbeitung schaffe. KI sei für den Rechnungshof ein wichtiges Werkzeug, dem jedoch durch Datenschutz, Informationssicherheit und digitale Souveränität klare Grenzen gesetzt sind. Die hofeigene Anwendung „The BrAIn“ greift auf die Erfahrungen von 20 Prüfungsjahren zurück und soll ab 2027 regulär im Rechnungshof eingesetzt werden.
In Frankreich nutzte der Rechnungshof Centre-Val de Loire künstliche Intelligenz bei der Prüfung von „France Travail“, der nationalen Arbeitsagentur. Dabei wurden unter anderem Lohnabrechnungen mithilfe von KI analysiert, wodurch selbst kleine Abweichungen von 5 Prozent durch die Software sofort bemerkt wurden. „Ohne dafür tagelang Ordner wälzen zu müssen, können Prüfungsergebnisse somit deutlich zielgenauer identifiziert werden“, sagt Sektionspräsident Vincent Sivre. Entscheidend sei hierbei jedoch, dass der KI-Einsatz der geprüften Stelle gegenüber stets vollkommen transparent gemacht werde.
Auch der Präsident des Rechnungshofes Oberösterreich Rudolf Hoscher, beantwortete in seinem Beitrag die Frage, ob KI im Prüfungsalltag Teil der Antwort sein soll, mit einem klaren Ja. Dabei müsse man in seinem kleinen Rechnungshof das Rad nicht unbedingt neu erfinden, sondern könne viel mehr von den Erfahrungen anderer Rechnungshöfe profitieren. Als besonders wesentlich bezeichnete Rudolf Hoscher in diesem Zusammenhang einen kontinuierlichen und offenen Austausch über die gewonnenen Erkenntnisse innerhalb der EURORAI.
Für den Präsidenten des Rechnungshofes Hessen Uwe Becker, stellte sich in seinem Vortrag vor allem die Frage nach der richtigen Balance von natürlicher und künstlicher Intelligenz. Er schloss sich grundsätzlich den Meinungen seiner Vorredner an, hob aber auch die Risken beim KI-Einsatz hervor. Für Uwe Becker komme es daher bei der Bewältigung künftiger Prüfungsaufgaben vor allem auf die gesunde Mischung aus menschlicher Fachkompetenz und technologischer Unterstützung an.
Der Einladung nach Portugal folgten 103 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 17 Ländern. Das nächste Seminar zum Thema: „Datengestützte Prüfungen im Kommunalbereich“ wird im Frühjahr in Ungarn stattfinden.
Hintergrund: EURORAI (Europäische Organisation der Regionalen Externen Institutionen zur Kontrolle des Öffentlichen Finanzwesens) ist ein Kooperationsprojekt, das am 1. Oktober 1992 in der englischen Stadt Manchester ins Leben gerufen wurde. Derzeit gehören die regionalen Rechnungshöfe aus 17 Staaten dieser Plattform an.